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Autor: Ansge (Seite 2 von 3)

HEP, Personal Coach, Autor, Heilpraktiker für Psychotherapie
vier Töchter, drei Enkelkinder, geschieden

Messer-Ballade

Sitzt der Vater mit dem Sohn
in der dämmerfahlen Stube,
schaut ihn an, spricht keinen Ton.
Hu! – Es zittert bang der Bube.
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein!


„Bring ein Messer!“ würgt er tonlos
endlich vor. „Doch – dass es tauge!“
Und dabei starrt er den Sohn groß
an mit glasig trübem Auge.
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein!


„Nimm die Kerze in die Linke!
In der Rechten halt das Messer!
Heb` es höher, dass es blinke!
So seh` ich`s im Keller besser!“
Gleich wird Schluss sein;

doch – es muss sein!


Und sie schleichen aus der Stube.
Vorneweg mit Dolch und Leuchter
wankt der zitterbange Bube;
von der Stirn perlt`s feucht und feuchter.
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein!


Dunkle Treppen geht`s hinunter,
dann durch einen finst`ren Gang.
Schwarze Schatten huschen munter
an der Kellerwand entlang.
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein!


In der letzten Kammer spricht
kalt der Vater: „Leuchte besser,
denn im Dunkel seh` ich nicht!
So ist`s gut! – Jetzt reich das Messer!“
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein!


Und der Vater zückt den Stahl,
dass die blanken Schneiden blinken,
und – stößt zu!
Im Räuchersaal
schnitt ab den letzten Schinken.
Thomas Burger

Wertschätzung und Fachkräfte


Jochen Gust
22. Februar, veröffentlicht auf Facebook


Sehr geehrte Krankenhausträger bzw. Pflegedirektoren, Heimleiter und Inhaber von Pflegediensten (w/m/d),
ich wende mich heute mit einer Bitte an Sie: lassen Sie sich vor der Veröffentlichung von Stellenanzeigen wenigstens einmal von Profis beraten. Dafür gibt’s die nämlich. Ja, das kostet Geld. Anzeigen über die man als Pflegefachkraft lacht oder die nur Kopfschütteln hervorrufen oder wütend machen, aber auch. Wenn es allerdings nicht Unwissenheit oder Hilflosigkeit ist, die Sie zu derartigen Stellenanzeigen treibt sondern dies im Jahr 2019 noch immer Ihre Haltung uns Pflegefachkräften gegenüber ist…. . Nun, dann hoffe ich, dass möglichst wenige Kolleginnen und Kollegen auf Sie hereinfallen.
Hier ein paar Tipps bezogen auf Stellenanzeigen, die mir in den letzten Wochen ungewollt unter die Augen gerieten:
1. Wenn Sie mit „ehrlicher“ oder „fairer“ Entlohnung werben zieht das wirklich nicht mehr. Pflegefachkräfte sind Mangelware. Sie wissen das. Und der Mangel kann für Sie existenzbedrohend werden. Stationsschließungen, Aufnahmestopps, gefährliche Pflege etc. . Sie kennen das.
Für uns Pflegefachkräfte ist Ihr Problem aber nicht existenzbedrohend. Müssen Sie heute dicht machen, arbeiten wir Morgen woanders.
Unsere Arbeit ist SELBSTVERSTÄNDLICH eine faire Entlohnung wert – ein besonderes „Feature“ bieten Sie damit nicht. Eher den Eindruck einer schlechten Bezahlung. Denn fair ist, was Sie als fair identifiziert haben – das sagen Sie doch eigentlich aus, richtig? Das wissen wir aus der Vergangenheit. Es gilt: „If you pay peanuts – you get monkeys!“.
2. „Regelmäßig frei“ oder „planbare frei Wochenenden“, „nicht Einspringen“. Willkommen in der Wirklichkeit der Arbeitswelt. Ja, ich bin ein Pflegeprofi und ja – stellen Sie sich vor, ich habe ein Privatleben wie andere Menschen auch. Ich habe gehört, dass einige Kolleginnen und Kollegen sogar Beziehungen oder – eigene! – Kinder haben. Doch, wirklich. Das gibt’s auch unter Pflegefachkräften. Dass ich Freizeit habe und diese verplane ist SELBSTVERSTÄNDLICH. Sie dient übrigens auch meiner Erholung, damit ich wieder 100% für die Pflegebedürftigen / Patienten in Ihrem Unternehmen geben kann, sobald ich wieder im Dienst bin. Natürlich springe ich auch mal – d.h. wenn gelegentlich notwendig – ein, wenn Not am Mann / Frau ist. Wie andere Arbeitnehmer eben auch.
In der Vergangenheit haben Sie aber damit kalkuliert. Ans „gute Herz“ appelliert. Weil man „seine Bewohner ja nicht im Stich lassen kann“. Um Ihren Gewinn zu steigern. Das zieht nicht mehr. Wenn Sie Ihren Laden nicht im Griff haben und ständig Kolleginnen und Kollegen aus ihrem wohlverdienten Frei holen müssen, mangelt es Ihnen längst nicht nur an Pflegefachkräften. Und das sollten Sie dann nicht auch noch über eine Stellenanzeige veröffentlichen – oder?
3. „Urlaub kann innerhalb des Jahres genommen werden.“. Wirklich?
Sie scheinen ja ein ganz, ganz innovativer Betreiber / Träger zu sein. Da vereinbaren wir vertraglich Urlaub (gibt da auch so ne Art Gesetz – muss Sie aber nicht weiter interessieren….), und dann erlauben Sie auch noch, dass ich den übers Jahr nehme. Hammer! Nichts wie raus mit der Bewerbungsmappe….oder?
Ich weiß nicht, wie viele Nächte Sie darüber nachgedacht haben, examinierte Pflegekräfte mit solch einer Aussage zu einer Bewerbung zu locken?! Aber es wäre kein Fehler, Sie würden noch die ein oder andere Nacht dranhängen…. .
4. Übrigens: ein/e Gesundheits- und KrankenpflegerIn, ein/e AltenpflegerIn ist ein/e FacharbeiterIn. Mit einer intensiven Ausbildung für einen Beruf, in dem man viel Verantwortung trägt und großen Belastungen ausgesetzt ist. Psychisch wie physisch.
Ich erwarte von meinem Arbeitgeber, dass er weiß was er tut und wen er vor sich hat. Wenn Sie mich bereits in der Stellenanzeige duzen, weiß ich wie es bei Ihnen mit dem Respekt aussieht. Wie Sie über „die Schwester“ und „den Pfleger“denken. Die alles und noch mehr aus Herzensgründen tun. Bisschen minderbemittelt aber lieb.
Denn Ihre anderen Stellenanzeigen – nach ProkuristenInnen, ControllerInnen, BuchhalterInnen, Personalverantwortlichen, Haustechnikern, Köchen, Qualitätsmanagern etc. – da kommt das DU – richtigerweise – nicht vor.
Ich bin erwachsen. Sie wollen mich als Profi für eine wichtige Arbeit einstellen.
Das DU biete ich an, wenn ICH mich dafür entscheide oder es mir angeboten wird und ich einverstanden bin.
Sie kaufen sich meine Expertise und Arbeitskraft für eine anspruchsvolle Aufgabe als Fachkraft ein – nicht meine Freundschaft. Deshalb pfeife ich auch auf Ihre billigen Floskeln die etwas wie „familiäres Team“ beinhalten. Wir sind, und wir werden keine Familie. Wenn Sie versuchen mit einem so wichtigen Begriff wie „Familie“ – in der hält man zusammen, komme was da wolle, nicht? – mal wieder versuchen Ihre miese Bezahlung, ihren mangelnden Respekt oder die miesen Arbeitsbedingungen zu verschleiern seien Sie gewiss, dass Sie von vornherein als potentieller Arbeitgeber ausscheiden.
Wenn Sie Personen anlocken wollen, die schlechtbezahlt ihre persönlichen Defizite sozialer Beziehungsnot in der Pseudoersatzfamilie „Team“ und am Patienten ausgleichen wollen, bittesehr. Folgenlos bleibt aber auch das sicher nicht.
Als potentieller Arbeitgeber erwarte ich, dass Sie mich respektieren und darum wissen. Denn ich werde Sie genauso respektieren, ggfs. Ihren Anordnungen und Weisungen folgen.
Das erwartest Du doch, oder?
Sonst stellst Du Dich nämlich bestimmt an, regst Dich am Ende ein bissle auf, hm?
Das musste mal raus. Bitte, wenden Sie sich an Profis vor der Veröffentlichung von Personalanzeigen. Und wenn Sie einen ganz cleveren Schritt vorher machen möchten, dann reden Sie mal mit den Fachkräften, die Sie noch haben. Fragen Sie mal nach, warum die ausgerechnet bei Ihnen arbeiten und was sie sich wünschen und brauchen. Für Ihrer künftige Mitarbeitersuche könnten da ziemlich wertvolle Erkenntnisse bei rausspringen. Erkenntnisse, die bares Geld wert sind.
Wir Pflegefachkräfte haben das verdient und sollten es Ihnen wert sein. Und wenn Sie ein guter, verantwortungsvoller Träger sind – sollten Sie es sich selbst auch wert sein um den Ihnen anvertrauten Patienten und Pflegebedürftigen eine optimale Versorgung zukommen lassen zu können.
Vielleicht kommen Sie dann irgendwann mit weniger Zeitarbeitern aus, die Sie angeblich doch so wenig schätzen.
Vielleicht.
Schönes Wochenende allerseits.
Ihr
Jochen Gust

TYPISCH FRANKREICH: DAS TRADITIONSMESSER OPINEL

Scharfer Kult. Sie sind unsere Nachbarn, doch wie gut kennen wir sie wirklich? Das ARTE Magazin folgt zur Wandersaison im Oktober dem lebenslangen Begleiter jedes Franzosen: dem Traditionsmesser Opinel.
Bis nach Santiago de Compostela sind es Tausende schweißtreibende Kilometer. Der Jakobsweg ist eine körperliche und geistige Herausforderung. Wenn es darauf ankommt, zieht der Deutsche sein multifunktionales Schweizer Taschenmesser mit weißem Kreuz auf rotem Grund aus der Tasche – inklusive Mini-Schere, Nagelfeile und Pinzette zum Herausnehmen, die nie benutzt wird, aber irgendwie doch immer verloren geht.
Der Franzose braucht einzig sein Opinel. Eine Klinge, der Griff aus Buchenholz, genau eine Funktion: schneiden. Und das seit 125 Jahren. Anno 1890, dem Jahr übrigens, nach dem auch das erste klappbare Modell der Schweizer Armee benannt ist, erfand der 18-jährige Joseph Opinel das Messer in den französischen Savoyen. Seitdem ist es zum Kulturgut Frankreichs avanciert. Jedes Kind kennt es: „mon premier Opinel“, das Einstiegsmodell mit abgerundeter Klingenspitze. Über 300 Millionen Mal wurden die Messer in der ganzen Welt verkauft. Das
Opinel hat sogar den Schweizer Alleskönner überholt und auch Deutschland erobert. Schon 1985 wählte das Victoria and Albert Museum in London das
Opinel unter die 100 am besten designten Objekte der Welt – zusammen mit der Rolex und dem Porsche 911.
Das Design des Opinels mag zeitlos sein, doch man sieht ihm die Streifzüge mit seinem Besitzer bald an: Auf dem Buchengriff formt sich recht schnell eine Patina in Fingerform, die garantiert rostende Klinge bekommt braune Spuren und mit ihr das darauf eingravierte Markenlogo der „gekrönten Hand“. Und wie wäscht man so ein Messer aus Holz und Stahl? Eben: gar nicht!
Der echte Connaisseur steckt das dreckige Messer in den Boden und wischt dann lässig den Schmutz ab. Die drehbare Sicherungsschelle, die „virole“, die das Zurückklappen auf die Finger verhindern soll, ist komplett verklemmt von Rost, Erde oder Sand, die Kohlenstoffstahlklinge stumpf. Der Deutsche wird nach dem Pilgermarsch sein Messer, das er immer gewissenhaft gewaschen und abgetrocknet hat, in perfektem Zustand in die Schublade legen. Der Franzose behält sein Arbeitswerkzeug, das „outil“, in der Hosentasche. Wenn der Enkel dann fragt, wie der Jakobsweg war, kann der Franzose erzählen, woher die Erde stammt, die in der „virole“ steckt. Erklären, wie mit ihm das Messer gealtert ist. Er wird sagen, dass jeder Schnitt, jeder Schritt auch, seine Spuren hinterlässt. Er wird seinem Enkel so die Liebe für dieses so wunderbar unperfekte Opinel mitgeben.
Dem Deutschen bleibt sein sauberes Messer, glänzend, aber doch glanzlos – mit Zahnstocher, Dosenöffner und fehlender Pinzette.
Julien Wilkens für das ARTE Magazin

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