Funktionskleidung und Ökologie


Hintergrundwissen
Wer möchte, dass seine Kleidung nicht nur wind- und wasserfest, sondern frei von Schadstoffen, umweltschonend und mit sozialen Standards hergestellt ist, sollte nicht beim erstbesten Schnäppchen zuschlagen.
Kunden, denen diese Kriterien wichtig sind, müssen sich erst einmal klar machen, wie der heutige Produktionsweg von Outdoorkleidung aussieht. Die Globalisierung hat natürlich nicht vor der Outdoor-branche halt gemacht, sondern scheint hier besonders weit
fortgeschritten. Die Bestandteile und Materialien moderner Outdoorkleidung kommen aus verschiedensten Ländern oder wurden dort bearbeitet. Stoffe aus Vietnam werden
beispielsweise in Indien beschichtet, in Pakistan zugeschnitten, in der Türkei genäht undin Bulgarien mit einem Reißverschluss aus-gestattet, der wiederum in aller Herren Länder und aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt wurde. Die Produktionskette istalso sehr lang und endet in irgendeiner kleinen Fabrik im Nirgendwo, was es für Kundennicht leichter macht festzustellen, ob die Firmen Umwelt- und Sozialstandards einhalten.
Doch gerade die Outdoorbranche sollte am Erhalt der Umwelt interessiert sein. Wer nachhaltig wirtschaftet, kommt ohne soziale Kriterien und eine Absicherung der Menschen, die an der Produktion beteiligt sind, nicht aus. Außerdem kann man nicht Umweltschutz
fordern und Kinderarbeit dulden. Verträglich Reisen nennt einige wichtige Bereiche, die unter Unternehmensverantwortung zu fassen sind.

Produktionsökologie
Hier geht es um die Gewinnungs- und Herstellungsverfahren von Fasern, Textilien und Kleidung. Diese sollten umweltverträglich sein. Es müssen gute Bedingungen hinsichtlich der Luft- und Wasserreinhaltung, der Abfallentsorgung sowie des Schallschutzes
eingehalten werden. Natürlich darf die Produktion auch die dort arbeitenden Menschen nicht belasten.

Humanökologie
Die Kleidung, die die Menschen bei vielen Aktivitäten direkt auf der Haut tragen, muss frei von Schadstoffen sein. Kein Hersteller sollte es sich leisten, seinen Kunden vergiftete Kleidung anzubieten. Daher müssen hier die Anforderungen an Zulieferer und eigene
Kontrollen beim Endprodukt sehr hoch sein.


Soziale Verantwortung
Die Firmen haben gegenüber den an der Produktion beteiligten Menschen eine hohe Verantwortung. Der Hersteller muss dafür sorgen, dass in seinen und den Fabriken der Zulieferer alle Angestellten unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten und
Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Ausbeuterische Kinderarbeit muss verboten sein und den Angestellten müssen existenzsichernde Löhne sowie geregelte Arbeitszeiten
gewährt werden.

Ökosiegel
Wie sollen sich nun die Kunden verhalten und wie kommen sie an Informationen, die ihnen bei der Kaufentscheidung helfen können? Eine Möglichkeit bieten Qualitätssiegel. Das Gütesiegel Ökotex beispielsweise überprüft mit seinen Standards 100 und 1000 die
Schadstofffreiheit sowie eine umweltfreundliche Textilproduktion. Derart zertifizierte Kleidung gilt als schadstoffgeprüft und wird mit umwelt- und mitarbeiterschonenden Verfahren hergestellt.
Beim Thema Unternehmensverantwortung bietet die Stiftung Warentest gute Anhaltspunkte. Sie hat erstmals nicht nur die Qualität von 14 Funktionsjacken überprüft, sondern auch das Engagement der Anbieter für Soziales und Umwelt unter die Lupe genommen. Konkrete Ergebnisse liefert der Test nur für diese speziell untersuchten Jacken. Er gibt aber auch gute Anhaltspunkte, welche Unternehmen Initiative zeigen und welche die Auskunft zu diesem Thema verweigern.

Qualität hat ihren Preis
Aus ökologischer Sicht sind Qualität und Langlebigkeit der Outdoor-Ausrüstung immens wichtig. Als die Firma Mammut und der Membranhersteller Gore ein Recycling-Projekt für ihre Produkte starteten, stellten sie schnell fest, dass der Rücklauf der Jacken und Hosen eher bescheiden war. Die meisten Kunden tragen ihre teure Kleidung lange Jahre und manche nutzen sie noch als Arbeitskleidung, bevor sie sie in die Altkleidersammlung geben.
Nicht zuletzt liegt es bei den Kunden, Standards für Umwelt und Soziales bei den Firmen immer wieder einzufordern und sich bei den Herstellern direkt oder auf deren Homepages darüber zu informieren. Sie müssen aber auch bereit sein, für Qualität, Langlebigkeit und „saubere“ Kleidung einen angemessenen Preis zu zahlen.

Der Artikel stammt aus dem Magazin für Reisen und Umwelt „Verträglich Reisen“